Zu Beginn des dritten Quartals 2026 bewegt sich der S&P 500 nach einem volatilen ersten Halbjahr in einer Bandbreite von 7.350 bis 7.440 Punkten, nachdem er zuvor mehrfach versucht hatte, neue Höchststände im Bereich von rund 7.620 Punkten zu erreichen. Für das Gesamtjahr rechnen wir weiterhin mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,0 % bis 3,1 %.
Die Weltwirtschaft zeigt sich insgesamt widerstandsfähig. Insbesondere die US-Wirtschaft profitiert weiterhin von den Produktivitätsgewinnen durch Künstliche Intelligenz, während sich die zuvor durch die Spannungen im Nahen Osten verursachten Lieferkettenstörungen allmählich abschwächen. Die schrittweise Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, rückläufige Energiepreise sowie die vorsichtige Haltung der wichtigsten Zentralbanken tragen zu einer Stabilisierung des makroökonomischen Umfelds bei. Im Euroraum dürfte das Wachstum mit 0,8 % bis 1,1 % moderat bleiben. Belastend wirken die anhaltende Schwäche der Industrie sowie verzögerte Effekte höherer Energiekosten. Gleichzeitig stützen fiskalpolitische Maßnahmen, steigende Verteidigungsausgaben und eine robuste Binnennachfrage die Konjunktur.
Vor diesem Hintergrund bleiben qualitativ hochwertige Anlagen, eine breite Diversifikation über Regionen und Anlageklassen sowie der Erhalt ausreichender Liquidität die zentralen Eckpfeiler unserer Anlagestrategie.
Die Aussichten für den US-Aktienmarkt bleiben konstruktiv, auch wenn das Kurspotenzial inzwischen begrenzter erscheint. Für den S&P 500 sehen wir ein Kursziel von 7.600 bis 8.200 Punkten, mit einem moderaten Aufwärtspotenzial von rund 3 % bis 11 % gegenüber dem aktuellen Niveau. Voraussetzung hierfür bleibt ein Gewinnwachstum der Unternehmen von 15 % bis über 20 %, getragen von Produktivitätsfortschritten im Bereich der Künstlichen Intelligenz sowie der hohen Anpassungsfähigkeit amerikanischer Unternehmen.
Die Bewertungen bleiben jedoch anspruchsvoll. Mit einem Shiller-CAPE von rund 38 bis 40 bewegt sich der Markt weiterhin auf historisch hohen Bewertungsniveaus, was eine disziplinierte und selektive Titelauswahl erforderlich macht.
Die US-Notenbank dürfte ihren Leitzins vorerst in einer Bandbreite von 3,50 % bis 3,75 % belassen. Da die Inflation voraussichtlich nahe oder leicht oberhalb von 3 % verharrt, erwarten wir bis Jahresende lediglich begrenzte Zinssenkungen. Gleichzeitig bewegen sich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen weiterhin zwischen 4,2 % und 4,5 %, wodurch das Kurspotenzial am Rentenmarkt begrenzt bleibt.
Innerhalb des Aktiensegments bevorzugen wir defensive Sektoren wie Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter, ergänzt durch eine selektive Positionierung in führenden Unternehmen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Technologie sowie ausgewählten Energiewerten.
Europäische Aktien bleiben aus Bewertungssicht attraktiv. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 bis 15 notiert der europäische Markt weiterhin mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber den USA.
Die Europäische Zentralbank hat den Einlagensatz im Juni 2026 auf 2,25 % angehoben, um dem energiebedingten Inflationsdruck entgegenzuwirken. Für das Gesamtjahr erwarten wir eine Inflationsrate von 2,5 % bis 2,6 %. Sofern sich das wirtschaftliche Umfeld nicht wesentlich verändert, dürfte die Geldpolitik in den kommenden Quartalen weitgehend stabil bleiben.
Wir favorisieren Unternehmen mit einer starken Ausrichtung auf die europäische Binnenwirtschaft, den Verteidigungssektor, Versorgungsunternehmen sowie Gesellschaften, die von den deutschen und europäischen Fiskalprogrammen profitieren.
Der Goldpreis bewegt sich nach einer Konsolidierung derzeit im Bereich von 4.000 bis 4.100 USD je Unze, nachdem zuvor historische Höchststände von über 4.800 USD erreicht worden waren. Unterstützt wird Gold weiterhin durch Käufe der Zentralbanken, eine anhaltend hohe Nachfrage nach sicheren Häfen sowie seine Funktion als Inflationsschutz.
Für das dritte Quartal halten wir an einem Zielkorridor von 4.000 bis über 5.000 USD je Unze fest. Einzelne Marktteilnehmer erwarten bis zum Jahresende sogar noch höhere Preisniveaus. Kurzfristige Rückschläge von 5 % bis 15 % bleiben jedoch möglich, insbesondere bei einer nachhaltigen geopolitischen Entspannung oder einer restriktiveren Geldpolitik.
Der Brent-Ölpreis hat sich nach den Spitzenwerten von über 100 bis 115 USD je Barrel wieder normalisiert. Für das dritte Quartal erwarten wir eine Stabilisierung im Bereich von 80 bis 100 USD je Barrel, abhängig vom weiteren Verlauf der geopolitischen Lage sowie der Erholung des globalen Angebots. Mittelfristig erscheint ein weiterer Preisrückgang möglich.
Die größten Risiken für die Kapitalmärkte bleiben die anhaltend hohen Bewertungen, geopolitische Unsicherheiten – insbesondere im Zusammenhang mit dem Nahen Osten –, mögliche Inflationsüberraschungen mit entsprechend restriktiveren Zentralbanken sowie ambitionierte Gewinnerwartungen in einem Umfeld nachlassenden globalen Wachstums und weiterhin volatiler Energiepreise.
Zusätzliche Unsicherheiten ergeben sich aus anhaltenden Handelsspannungen sowie möglichen Divergenzen in der Wirtschafts- und Geldpolitik der großen Volkswirtschaften.
Vor diesem Hintergrund empfehlen wir, die strategische Vermögensallokation grundsätzlich beizubehalten und gleichzeitig der Liquiditätserhaltung weiterhin hohe Priorität einzuräumen. Taktische Anpassungen sollten vor allem bei attraktiveren Bewertungen, einer verbesserten Visibilität hinsichtlich der Geldpolitik oder einer nachhaltigen geopolitischen Entspannung geprüft werden.
Gerade in einem Umfeld hoher Bewertungen und zahlreicher gegenläufiger Einflussfaktoren bleiben Disziplin, konsequente Diversifikation und ein fokussierter Qualitätsansatz die entscheidenden Erfolgsfaktoren für eine langfristig erfolgreiche Vermögensanlage.
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